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Streetart vs Graff

Den anderen Tag gehe ich also zu der Ausstellung ”ask for trouble” von den Dänen. Ich stehe auf dem U-Bahnhof als diese Kids runterkommen. Intelligent stellen sie sich nicht grade an, beim Taggen. Ich folge amüsiert dem hektischen Treiben. Einer bemerkt, dass er nicht allein ist, und quatscht mich gleich lieber mal an.
”Haben Sie Zigarette? Nein? Hmmmmm, sind ja ganz schön cool, was? Und, finden Sie Graffiti auch cool, hä?”
”Klar macht mal Jungs is schon Super so. ”
Dann kann ich´s aber doch nicht lassen und lass mir mal den Marker geben. So kommen wir ein wenig ins Gespräch. Sie finden raus, dass ich Odem persönlich gekannt habe, Ich finde raus, dass die Beiden zusammen so alt sind wie ich alleine jetzt. Wir fahren zusammen zur Ausstellung, die normalen Leute in der U-Bahn haben sich wohl etwas müssen sich wohl etwas gewundert, ob des merkwürdigen Gesprächs:
”Kennen Sie auch Dik und Pak und Zik und Zak und Tok und Blok und auch .... ???”
”Ja. Ja. Ja. Nein. Ja. Nein. Ja. Ja. Ja .....”
Da musste ich an den Ausspruch, der angeblich von Phase2 stammen soll denken: Graffiti ist eigentlich was für Kids, das Problem nur, bis Du richtig gut bist, bist leider schon zu alt. Was ist also eigentlich los mit meiner Generation von Writern? Mal angenommen man hätte nicht Frau Kind Kegel Bausparvertrag und Hypothek, kann man sich dann ernsthaft noch intensiv damit beschäftigen seinen Namen an die Wand zu schmieren, in einem möglichst krassen burner Style zur Erlangung von hardcore viel Fame?
Wünschenswert ist doch, dass auch das Graffiti adult wird. Und eben diese Entwicklung ist zur Zeit zu beobachten. Plötzlich geht es Writern um Ästhetik, um Auseinandersetzung mit Architektur, und hier der Quantensprung: sogar um Inhalte. Experimentierfreudigkeit macht sich breit in einer Bewegung, die bis vor kurzem nur zwischen Fillin und Outlines, Fat und Skinny und Bubble- und Wild-style zu differenzieren wusste. Es wird gestrichen, gedruckt oder geklebt, Poster werden tapeziert, Schablonen gesprüht. Werbung wird attackiert. Schatten gezeichnet.
Und das ist auch gut so. Graffiti wirkt im öffentlichen Raum, das ist es doch nur sinnig, dass die Inhalte einer breiten Öffentlichkeit zugänglich sind. Mit ein paar Krikelkrakelbuchstaben spricht man nur eine Elite an, mit einer Faust jedoch alle.
Die Augen haben mir die brasilianischen Zwillinge mit ihren schön hässlichen Figuren geöffnet. Auch schwärme ich für den arroganten Engländer mit seinen Schablonen. Aber so weit weg muss man gar nicht suchen. In Berlins Mitte und im anliegenden nahen Osten wächst Tag für Tag ein neues Verständnis für Vögel und anderes mehr.
Kann man so was anders präsentieren, als auf der Strasse? Ganz besonders Mutige versuchen das ja. Da weiß ich nicht immer so genau. Wenn man der Stadt mal einfach, weil sie scheiße aussieht ein neues Design verpasst ist das cool, es riecht ein bisschen nach Revolution. Diese Chosen dann in eine Galerie zu hängen reißt sie aus dem Zusammenhang und raubt ihnen damit vielleicht (schon gesehen) die Daseinsberechtigung. Diese Art braucht den urbanen Raum zur Divergenz, sonst mag die Angelegenheit vielleicht an Reiz verlieren.
Der Vollständigkeit halber will hier noch erwähnt sein, dass ich denke, dass es mehr braucht als ein Fahrrad und einen Eimer weißer Farbe, um da draußen was zu machen. Man braucht ein wenig Mut und einen Hut. Denn: Nicht alles was glänzt ist Gold und nicht alles was Street ist gleich Art.

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