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Konstrukt
Der Versuchsaufbau:
Ein 150 Quadratmeter großer Raum mit ca. 200 qm Wandfläche,
oder auch ein 600 Kubikmeter großer weißer Quader. Dazu
500 Liter Farbe jeglicher Art und noch 30 der wildesten Straßenkünstler
Berlins. Das Ganze gut umrühren, Deckel drauf und bei voller Hitze
60 Minuten kochen lassen.
Regeln: keine!
Zwei Tage in etwa haben wir gebraucht um die Bude idiotensicher zu machen.
Alles wurde mit weisser Pappe verkleidet und darunter lag meterweise
Plastik-plane für etwaige Farbdurchbrüche.
Selbst die Decke war rundherum zum größten Teil vor den erwarteten
Farbbomben geschützt worden.
Aber bei dieser Sozialstudie über Sprayer /Straßen-künstler
war der Weg das Ziel. Das wirklich Span-nende lag zwischen 0 und 60
Minuten.
6 Digitalkameras, davon 4 Fix- und 2 Handkameras, hielten die Metamorphose
bzw. Mutation von klinisch Weiß über Kunterbunt zu Fugenbuntgrau
fest. Die Aktionisten bedienten die verschiedensten Techniken der Strassenkunst
um schnell und effektiv sich im Gewimmel zu behaupten. Plakate, Gummipuppen,
Fatcap Technik, Schablonen Aufkleber und noch nie gesehene Streichgeräte
kamen zum Einsatz. Mit sichtlichem Eifer machten sich die 30 CHAOTEN
über den weißen Raum her. Nein, sie fielen über ihn
wie Tiere oder primitive wesen her. CAVEMAN?
Nach 20 Minuten hätte man getrost abbrechen können. Ab da
an wurde nämlich nur noch die Farb-kruste dicker. Aber wer hätte
das gewagt, und nach 45 Minuten wurden eh die Farben knapp. Und am Ende
waren nur noch einige Versprengte da, die wie auf Pille mit der Hand
ihre Pseudonyme in die feuchte Farbe schmierten.
Das Ergebnis, egal ob man Gemüse oder Farbe nimmt, wird ein stinkender,
ungenießbarer Brei.
Was bleibt, ist die Erkentnis, daß alle Farben zu-sammen Grau
ergeben, und Anarchie doch nicht die einzig wahre Gesellschaftsform
ist.
Tja wer hätte das gedacht, bzw. wer hätte was anderes gedacht?
Philipp Müller, Dirk Behrend
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